Normen – die Ordnung aller Dinge.

Innovationstreiber oder Fortschrittsbremse?

Heute gibt es etwa 33.000 Normen für Gegenstände und Verfahren. Seit 2012 arbeitet ein Team von Progroup an der Aktualisierung der Wellpappenpapier- und Wellpappnormen mit. Noch 2018 soll die ISO-Version veröffentlicht werden, die DIN dann im Mai 2019.

Normen sind Empfehlungen

Das Deutsche Institut für Normung, kurz DIN, in Berlin ist das international größte Normungsinstitut überhaupt. Es ist keine Behörde, sondern ein gemeinnützig eingetragener Verein. Deshalb gibt es auch keine „Verordnungen“ heraus, sondern Empfehlungen. Die Industrie richtet sich dann freiwillig danach.

DIN bleibt bei Normen neutral

Normen werden nur auf Veranlassung sogenannter interessierter Kreise hin erstellt. Das können die Wirtschaft, Verbraucher, Forschung oder die Öffentliche Hand sein. DIN bleibt dabei neutral. Es stellt den runden Tisch für die Normenausschüsse zur Verfügung und versucht, bei den Teilnehmern Übereinstimmung herzustellen und organisatorisch zu helfen. Den technischen Input liefern aber die Ausschussmitglieder.

Löschschlauch
Speicherkarten
Schrauben
Papier
Wenn's brennt: Gut wenn der Anschluss genormt ist
Bilder, Filme, Töne - alles findet Platz auf genormten Speicherkarten
Schrauben und Gewinde folgen strengen Normen damit sich alles fest verbindet
Für Papiere und Wellpappen gelten Normen, die etwas in die Jahre gekommen sind
Immer mehr „Light Weights“

Die wichtigste Norm für die Wellpappe ist die DIN 55468-1. In ihr sind die Wellenarten mit den Maßen sowie die geforderten technischen Werte festgelegt. Die Norm geht auf den Anfang der 70er Jahre zurück. Ihre Inhalte wurden 2014 in Teilen überarbeitet und im April 2015 veröffentlicht. Leichte Hochleistungswellpappen wie Next Board® lassen diese Normierungen im wahrsten Sinne des Wortes alt aussehen.

Überholte Prüfverfahren

Ein Beispiel für den Stand der Dinge war die Ermittlung des Flachstauchwiderstandes, festgehalten in der DIN EN ISO 7263. Die Vorgaben für die Prüfung gingen auf die großen Zeiten der A-Welle in den 70er Jahren zurück. Sie wurde inzwischen weitgehend von B- und BC-Welle abgelöst und spielt heute nur noch eine untergeordnete Rolle.

Progroup aktiv in den Normenausschüssen

Progroup arbeitete bis 2004 in den Gremien mit. Das Unternehmen entschied sich dann für eine Denkpause. Mit der Entwicklung der Next Generation Products Next Fibre® und Next Board® entstanden Produkte, die eine Klasse für sich waren. Sie lagen weit außerhalb der Norm und der auf dem Markt üblichen Sorten.

Ab 2012 ging die Mitarbeit dann weiter. Progroup ist seit dieser Zeit im Normenausschuss „Papier, Pappe und Faserstoff“ mit zwei Papierspezialisten vertreten: mit Phillipos Vrizas, Leiter Technologie PM1&PM2 und Rudolf Gräfenstein, Leiter Qualitätssicherung Papier. Die Zeit war reif, die internationale Norm für den Flachstauchwiderstand DIN EN ISO 7263 um die B-Welle zu erweitern. „Wir wollen eine weltweit vereinheitlichte Messvorgabe erreichen“ – so das Ziel der Mitarbeit.

Gegen Widerstände erfolgreich

In den Ausschüssen war viel Überzeugungsarbeit notwendig. Letztendlich aber konnten sich die von Progroup erarbeiteten Vorschläge – auch gegen Widerstände der Mitbewerber – durchsetzen. Bei den letzten Sitzungen der internationalen Projektgruppe auf ISO-Level übernahmen die beiden Progroup-Spezialisten abschließend die Leitung. Mit Erfolg: Voraussichtlich noch im Dezember 2018 wird die überarbeitete internationale ISO-Norm etabliert, DIN folgt im Februar

Berechtigte Kritik: Langwierige Entscheidungsschritte

Zwar werden Normen regelmäßig überprüft und spätestens nach fünf Jahren überarbeitet. Mit diesem Turnus kann das Regelwerk den Innovationstreibern der Branche nur bedingt gerecht werden.

Roadmap 2050: In Normen nicht zu finden

Ressourcen- und Energieeinsparung sowie die Verminderung der CO2-Emissionen spielen in den Normen bisher keine Rolle. Auch nicht in der neuesten Ausgabe der DIN 55468-1. Im Rahmen der Roadmap 2050 sollte ihnen aber höchste Bedeutung zukommen. Dazu Jürgen Heindl, der Vorstandsvorsitzende der Progroup AG: „Wir haben bahnbrechende Entwicklungen in Gang gesetzt als Antwort auf die Megatrends unserer Zeit. Die Normen dagegen verharren immer noch zu sehr im Bisherigen. Wir wünschen uns mehr Offenheit für Innovationen, die den Megatrends unserer Zeit folgen.“